Deutsche Reiterliche Vereinigung

Unser Stall soll besser werden

Die Persönlichen Mitglieder und das Magazin Reiter Revue International suchen jedes Jahr nach tollen Beispielen von Stall-Umbau- und Neubaumaßnahmen

 Die Ansprüche an die pferdegerechte Unterbringung, Bewegungsqualität und Versorgung sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten immens gestiegen. Der Trend in der Pferdehaltung geht zu Paddock-Boxen oder zur Gruppenhaltung in Bewegungsställen. „Wir sehen die ausgezeichneten Betriebe als Vorbild und Motivation für andere Ställe, ihre Pferdehaltung zu optimieren“, erklärt die PM-Ehrenvorsitzende und Schirmherrin des Wettbewerbs Ruth Klimke. Sie gehört gemeinsam mit hochrangigen Experten aus Veterinärmedizin und Pferdehaltung der Jury an, die nach einer Vorauswahl und Besichtigung der Finalställe tagt und die Siegerställe prämiert.

In jedem Jahr können sich Reitvereine, Pferdebetriebe und private Ställe bewerben, die mindestens seit einem Jahr einen neugebauten, modernisierten oder renovierten Stall mit mehr als zehn Pferden betreiben. Der Bestand sollte überwiegend den Vorgaben der „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten” (BMEL 2009) entsprechen. Die Betriebe, die mit ihrem Haltungskonzept überzeugen können, werden in jedem Jahr im September im Rahmen der Bundeschampionate ausgezeichnet. 

Die Gewinner 2019

In diesem Jahr gingen die Auszeichnungen an den nahe der schwäbischen Alb in Bayern gelegenen Butterwiesenhof, der aus einem ehemaligen Kuhstall einen modernen Bewegungsstall hat entstehen lassen sowie an den in Schleswig-Holstein beheimateten Loreleyenhof, der einen Milchviehbetrieb in einen privaten Zucht- und Ausbildungsstall umgebaut hat und die Pferde vom Jungtier bis zum Rentner lediglich nach Geschlecht getrennt hält: Tagsüber in Gruppen auf großzügigen Weideflächen, nachts in lichtdurchfluteten Fensterboxen. Einen Sonderpreis des Wettbewerbs erhielt der Reitverein Friesoythe aus dem niedersächsischen Landkreis Cloppenburg, der es als Reitverein mit begrenzten finanziellen Mitteln geschafft hat, seine Schulpferdehaltung durch einen Stallneubau deutlich zu verbessern.

Der Butterwiesenhof

Zwölf Pferde stehen auf dem Butterwiesenhof, davon vier Einstaller. Vertreten sind viele Rassen, vom Altoldenburger bis zum Araber. Die Einstaller packen mit an, insbesondere bei der Kehrwoche und das sieht man dem Butterwiesenhof an.

Den Pferden stehen zwei Liegehallen in zwei verschiedenen Gebäuden zur Verfügung, die mit Stroh eingestreut sind. Außerdem gibt es zwei großzügige Boxen. Hier können die Pferde separiert werden, um zum Beispiel in Ruhe ihr Kraftfutter zu fressen oder sich im Falle einer Verletzung oder Erkrankung zu erholen. Auf der Paddockfläche, von der der Zugang zur Weide immer geöffnet ist, ist ein kleiner Trail mit unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten, Baumstämmen und Reifen angelegt. Mineral- und Salzlecksteine sowie ein Ball ergänzen das Unterhaltungsprogramm. An drei Tagen in der Woche gibt es Reitunterricht, außerdem bietet Florian Haas heilpädagogisches Reiten an.

  • Betreiber: Sebastian Meindl und Florian Haas
  • Adresse: Aussiedlerhof 80, 89429 Bachhagel OT Burghagel
  • Website: www.butterwiesenhof.com 
  • Fütterung: Heu zur freien Verfügung, Salz- und Mineralleckstein frei zugänglich, Grascobs, Rübenschnitzel, Müsli
  • Bewegungsmöglichkeiten: Paddocks mit Trailelementen und ganzjährig freiem Zugang zu den Weiden
  • Extras für Pferde: abwechslungsreiche Bewegungsmöglichkeiten und zwei Liegehallen zum Ausruhen
  • Extras für Reiter: Allwetter-Reitplatz, Reitunterricht und heilpädagogisches Reiten

Der Butterwiesenhof im Film

Das Jury-Urteil

Alle Pferde waren dem Menschen neugierig und freundlich zugewandt, selbst die beiden Jährlinge, die ihren eigenen Aktivstall bewohnen. Der Butterwiesenhof ist ein sehr gut organisierter und ordentlicher Betrieb. Alles ist durchdacht, so gibt es für alle Pferde farblich gekennzeichnetes Putz- und Zaumzeug sowie Sättel – für die Therapiekinder, die noch nicht lesen können. Neben 1.000 Euro Preisgeld der Persönlichen Mitglieder der FN darf sich der Butterwiesenhof über Einstreu der Firma Allspan German Horse im Wert von 1.000 Euro freuen. Zusätzlich gibt es eine fachgerechte Beratung.

Der Loreleyenhof

Der Loreleyenhof ist so idyllisch, wie er klingt. Dinah Lorenz betreibt hier mit ihrem Ehemann, Frank Lorenz, einen privaten Zucht- und Ausbildungsbetrieb mit Pensionspferdehaltung, wobei vor allem die Zuchtstuten und ihre Fohlen im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Bevor der Loreleyenhof ein Zuhause für Pferde wurde, war er ein Milchviehbetrieb. Den haben die Eheleute Lorenz 2017 übernommen und pferdegerecht aus- und umgebaut, sodass 20 Pferde hier Platz finden sollen.
In den großzügigen Fensterboxen sind die Pferde nur nachts anzutreffen, denn alle Pferde auf dem Loreleyenhof verbringen den Tag auf den rund 13 Hektar Weidefläche, und zwar in gemischten Herden. Dabei wird lediglich nach Geschlecht getrennt, aber ein buntes Altersgefüge kombiniert. So stehen bei den Wallachen Rentner mit Sportpferden und Aufzucht gemeinsam, bei den Stuten Sportpferde mit Fohlenstuten und ebenfalls der Aufzucht: „Wir wollten auf unserem Hof zeigen, dass man Pferde jeden Alters zusammenstellen kann, dass auch Sportpferde ganztags raus dürfen und trotzdem gute Leistungen abliefern, dass es Jungpferden gut tut, in den Herden groß werden zu können und ältere Tiere die Erziehung und soziale Prägung übernehmen“, erklärt Dinah Lorenz. Hervorzuheben ist im Herdenmanagement noch, dass die Fohlen sehr schonend abgesetzt werden, nämlich erst im Alter von neun Monaten. Die Stutfohlen kehren dann zurück in die Stutenherde, die Hengstfohlen werden für drei bis vier Monate getrennt und dann in die Wallachherde integriert. Außerdem werden die Fohlen von klein auf ans Hufegeben, Überputzen, an den Tierarzt, Schmied und ans Halfter gewöhnt. Für den Fall, dass die Witterung den Weidegang unmöglich macht, stehen befestigte Paddocks zur Verfügung. Sollte das Futterangebot auf den Weiden knapp werden, wird Heu zugefüttert.

  • Betreiber: Dinah und Frank Lorenz
  • Adresse: Waldstraße 10, 25485 Hemdingen
  • Website: www.loreleyenhof.de
  • Weide: 13,2 ha
  • Fütterung: Heu oder Heulage, Kraftfutter
  • Misten: täglich
  • Bewegungsmöglichkeiten: Sand und Grasplatz
  • Extras für Pferde: Fohlen werden erst nach neun Monaten abgesetzt
  • Extras für Reiter: vielseitige Trainingsmöglichkeiten und Ausreitgelände

Der Loreleyenhof im Film

Das Jury-Urteil

Der Loreleyenhof beeindruckte durch seine überaus großzügige Weidefläche. Außerdem war der Hof extrem sauber und aufgeräumt. Aber auch die Atmosphäre überzeugte, so waren die Pferde durchweg sehr entspannt. Der ganze Hof strahlte viel Ruhe aus. Außerdem zeigten sich die Eheleute Lorenz extrem offen für Tipps der Jury und waren sehr motiviert, ihren Betrieb stetig zu verbessern und weiter auszubauen. Der Loreleyenhof erhält, neben dem Preisgeld von 1.000 Euro der Persönlichen Mitglieder der FN, Pferdefutter der Firma Höveler im Wert von 1.000 Euro.

Reitverein Friesoythe e.V.

Die Geschichte, die den Reitverein Friesoythe zum Wettbewerb „Unser Stall soll besser werden“ geführt hat, beginnt dramatisch. Der Reitverein wurde 1953 gegründet, die Reithalle 1973 gebaut, in der auch Boxen für die Schulpferde integriert waren. „Das war nicht mehr zeitgemäß. Die Boxen waren dunkel, die Luft im Stall war schlecht und wir sind an einen Punkt gekommen, wo wir gesagt haben ‚Entweder wir ändern etwas oder wir hören auf‘“, erklärt Vorstandsmitglied Jennifer Haneke, die selbst seit ihrer Kindheit Mitglied im Reitverein ist. Aber mal eben einen Stall bauen kostet Geld – deutlich mehr, als die Vereinskasse stemmen konnte. „Finanziell war das eine große Herausforderung. Das Geld hatten wir ja nicht liegen“, so der zweite Vorsitzende des Vereins, Friedrich Hagedorn. „Wir haben Gott sei Dank Sponsoren“, und eine zündende Idee, aber vor allem auch den Mut, diese umzusetzen. Die knapp 300 Mitglieder wurden in die Verantwortung genommen und eine einmalige, gestaffelte Umlage eingefordert. Dabei wurde klar kommuniziert: Der Reitverein kann es nur schaffen, wenn alle mitmachen. Tatsächlich zogen die meisten mit und so konnte der Altbestand – bis auf die Reithalle – 2017 abgerissen werden. 
Die Schulpferde sind eine harmonische Gemeinschaft, die täglich mehrstündigen Weidegang genießt. Im Winter tummeln sie sich auf dem Reitplatz, der dann als Paddock dient. Das angebotene Programm lässt nichts aus. Spring- und Dressurstunden, Bodenarbeit und Seminare, Reittherapie und seit neuestem laden zwei Shettys Kids ab drei Jahren dazu ein, mit Pferden in Kontakt zu kommen. Das Konzept des Schulbetriebs beinhaltet Integration und Inklusion.

  • Betreiber: Reit- und Fahrverein Friesoythe e.V.
  • Adresse: Böseler Straße 17a, 26169 Friesoythe
  • Website: www.rfv-friesoythe.de
  • Fütterung: Heu, Hafer, Pellets
  • Misten: tägliches Apäppeln, alle acht bis zehn Wochen leermisten
  • Bewegungsmöglichkeiten: Reitplatz und -halle
  • Extras für Pferde: Paddockboxen und Führmaschine
  • Extras für Reiter: umfangreiches Unterrichtsangebot und heilpädagogisches Reiten, Kinder ab drei Jahren werden ans Pony herangeführt

Reitverein Friesoythe im Film

Das Jury-Urteil

Der Jury gefiel besonders die bespielhafte Vereinsarbeit. Zum einen beeindruckte der Mut des Vorstandes, die Vereinsanlage zugunsten einer artgerechten Haltung der Schulpferde kostenintensiv umzugestalten und die Mitglieder dabei mit ins Boot zu holen. Zum anderen begeisterte das umfangreiche Programm. Vor allem das Vereinsmanagement und das tatkräftige Ehrenamt hat die Jury überzeugt, denn die Umbaumaßnahmen haben letztlich den Verein gerettet. Die Schulpferde waren alle in sehr gutem Zustand und fühlten sich sichtlich wohl. Die Herde war sehr harmonisch, zutraulich und interessiert. Der Reitverein Friesoythe erhält einen Sonderehrenpreis für die engagierte Reitvereinsarbeit und das Finanzierungskonzept, bestehend aus einem maßangefertigtem Weidetor der Firma Großewinkelmann sowie 1.000 Euro der Persönlichen Mitglieder der FN.

Die Gewinner 2019

 

Als Preis gibt es für die drei Sieger 2019 jeweils ein Preisgeld in Höhe von je 1.000 Euro, gegeben von den Persönlichen Mitgliedern der FN. Der Butterwiesenhof erhält zudem Einstreu der Firma Allspan German Horse inklusive einer fachmännischen Einstreuberatung, der Loreleyenhof bekommt Pferdefutter der Firma Höveler im Wert von 1.000 Euro inklusive der passenden Futterberatung für Zucht- und Pensionspferde auf dem Betrieb und der Reitverein Friesoythe darf sich über ein Weidetor der Firma Großewinkelmann freuen.

Der Wettbewerb „Unser Stall soll besser werden“ geht ab Frühjahr 2020 in eine neue Runde. Bewerben können sich alle Pferdesportvereine und -betriebe, die seit mindestens einem Jahr einen Stall mit mehr als zehn Pferden betreiben, diesen neugebaut, modernisiert oder renoviert haben.

Stand: 11.09.2019