Deutsche Reiterliche Vereinigung

Ausbildung des Reiters

Den "echten" Pferdemenschen kennzeichnet, dass er nicht nur beim Reiten, sondern auch im Umgang und in der Haltung fachgerecht, einfühlsam, fair und gefühlvoll vorgeht und die Bedürfnisse des Pferdes stets vor seine eigenen setzt.

Ein guter Reiter...

  • ist selbstkritisch: das heißt, er sucht die Ursachen für Fehler und Probleme immer bei sich selbst.
  • ist jederzeit beherrscht und diszipliniert und lässt Launen oder Emotionen nicht am Pferd aus.
  • verfügt über ein hohes Maß an Geduld, Einfühlungsvermögen und Konsequenz.
  • sucht sich kompetente Hilfe, wenn es in der Ausbildung zu Rückschritten oder Schwierigkeiten kommt.
  • betrachtet das Pferd ganzheitlich und versucht, auf allen Ebenen sein Wohlbefinden zu fördern.
  • bildet sich kontinuierlich fort und erweitert seine Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten rund ums Pferd (regelmäßiger Unterricht, Lehrgänge, Seminare, Bücher, Filme).

Diese innere Einstellung, verbunden mit den Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten rund um die Natur des Pferdes und um die klassische Reitlehre, zeichnet einen Reiter aus, der in der Lage ist, Pferde richtig zu reiten und auszubilden.

Ausbildungsweg des Reiters

So wie bei der Ausbildung des Pferdes lässt sich auch für die Ausbildung des Reiters eine Systematik festlegen. Der Ausbildungsweg des Reiters enthält alle Ausbildungsschritte, die zusammengenommen gutes Reiten ermöglichen. Und so wie auch bei der Skala der Ausbildung des Pferdes ist auch dieser nicht starr und schematisch abzuarbeiten, sondern stellt ein System dar, bei dem die einzelnen Punkte ineinandergreifen und zusammenwirken.

Der richtige Sitz ist die Grundlage der reiterlichen Einwirkung. Nur wer ausbalanciert und losgelassen im Sattel sitzt, kommt zum geschmeidigen Mitschwingen in die Bewegungen des Pferdes. Und nur mit diesen Voraussetzungen gelingt das gefühlvolle und angemessene Einwirken durch Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen.

Gleichgewicht und Losgelassenheit

Gleichgewicht und Losgelassenheit bilden das Fundament des guten Sitzes. Der Reiter muss zunächst lernen, sich auf dem Pferd auszubalancieren. Das ist eine sehr komplexe Aufgabe, denn mit jeder neuen Bewegung des Pferdes ist eine neue Anpassung notwendig. Schritt, Trab, Galopp, links oder rechts herum, in unterschiedlichen Tempi, bergauf oder bergab, mit kurzem oder mit langem Steigbügel, kombiniert mit Übergängen, Lektionen, Hindernissen oder anderen Aufgaben – die Bewegungsvielfalt mit dem Pferd ist beinahe grenzenlos. Und damit auch die Möglichkeiten zur Schulung des Gleichgewichts. Je abwechslungsreicher das Reiten gestaltet wird, desto besser.

Übungen zur Verbesserung der Balance auf dem Pferd:

  • Reiten mit Gurt, Reiten mit Sattel, Reiten auf dem blanken Pferderücken
  • Reiten auf unterschiedlichen Böden (Sand, Gras, trocken, matschig)
  • Reiten in unterschiedlichen Sitzformen (Grundsitz, Leichter Sitz, Dressursitz)
  • Reiten über Hügel, Bodenwellen und Senken
  • Reiten über bunte und feste Hindernisse
  • Wechsel zwischen Aussitzen und Entlasten
  • Sitzschulung an der Longe

Je weniger der Reiter sich verkrampft, desto besser wird es ihm gelingen, sein Gleichgewicht auf dem Pferd zu finden und zu halten. Deshalb sind Gleichgewicht und Losgelassenheit auch nicht voneinander zu trennen. Ein losgelassener Reiter findet leichter das Gleichgewicht, einem ausbalancierten Reiter fällt es leichter, sich loszulassen. Zur Losgelassenheit gehören - wie beim Pferd - auch innere und äußere Merkmale. Zunächst einmal muss der Reiter angstfrei, zwanglos und vertrauensvoll auf dem Pferd sitzen (innere Losgelassenheit). Daraus kann er ein Gefühl für die notwendige positive Körperspannung entwickeln, also die richtigen Muskelgruppen leicht anspannen ohne zu verspannen (äußere Losgelassenheit). Das erfordert neben einer gewissen Grundfitness vor allem Körpergefühl und Übung. Die Losgelassenheit lässt sich durch zum einen durch Übungen zur Lockerung und Mobilisierung am Boden verbessern, zum andern durch Übungen, die im Sattel durchgeführt werden. Auch das Aufwärmen vor dem Reiten trägt zur Losgelassenheit des Reiters bei.

Übungen zur Losgelassenheit im Sattel:

  • Armkreisen vorwärts und rückwärts
  • „Äpfel pflücken“
  • Fußkreisen
  • „Radfahren“ vorwärts und rückwärts
  • Übungen aus dem Voltigieren

Eingehen in die Bewegung

Mit Gleichgewicht und Losgelassenheit als Grundvoraussetzungen kann der Reiter in die Bewegungen des Pferdes eingehen. Das ist zunächst ein ganz passiver Vorgang, bei dem der Reiter sich den Bewegungen des Pferdes anpasst, sie also übernimmt. Später nimmt er dann durch Veränderung der Körperhaltung oder Körperspannung Einfluss auf die Bewegungen des Pferdes. Er kann sie zum Beispiel durch Schwerpunktverlagerungen verändern, ohne die Zügel zur Hilfe zu nehmen – eine wichtige Erkenntnis für das Erlernen der Hilfengebung. Fundierte Kenntnisse über die Gangarten des Pferdes, die Fußfolge und Muskeltätigkeit sind für ein gutes Bewegungsgefühl wichtig. Sitzschulung an der Longe, Reiten mit geschlossenen Augen, Reiten im Gelände und über Stangen und Hindernisse helfen bei der Schulung des Bewegungsgefühls. Auch an dieser Stelle ist eine vielseitige, variantenreiche Ausbildung wertvoller als eine zu frühe Spezialisierung.

Hilfengebung beim Reiten

Der Reiter nimmt durch sein Gewicht, mit seinen Schenkel und den Zügel Einfluss auf das Pferd. Diese Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen sind die Basis der Kommunikation mit dem Pferd. Um diese drei Hilfen gezielt und dosiert einsetzen zu können, muss er ihre Wirkung und ihren Einsatz genau kennen.

Gewichtshilfen Schenkelhilfen Zügelhilfen
einseitig belastend vorwärts treibend nachgebend
beidseitig belastend vorwärts-seitwärtstreibend annehmend
entlastend verwahrend durchhaltend
    verwahrend
    seitwärtsweisend


Ausführlich erläutert werden die Hilfen in den Richtlinien Band 1 "Grundausbildung von Reiter und Pferd". Diese Hilfen lernt der Reiter zunächst isoliert und dann kombiniert zu geben. Dabei muss er verinnerlichen, dass

  • die treibenden Hilfen immer vorherrschen
  • Zügelhilfen immer in Kombination mit treibenden Hilfen gegeben werden
  • jedem Annehmen der Zügel ein Nachgeben folgt

Zusammenwirken der Hilfen

Ist der Reiter in der Lage, die Hilfengebung fein und gefühlvoll aufeinander abzustimmen, wird von Einwirkung gesprochen. So wird aus den einzelnen Hilfen eine Sprache, die das Pferd versteht. Je klarer und deutlicher diese Sprache gesprochen wird, desto besser klappt die Verständigung. Ziel der Ausbildung ist die feine, von außen fast unsichtbare Einwirkung des Reiters auf sein Pferd. Dann verschmelzen Pferd und Reiter zu einer harmonischen Einheit und das Reiten erscheint mühelos und leicht.


Horsemanship: Wissen zum richtigen Umgang mit dem Pferd

Zur Ausbildung des Reiters gehört immer auch die Schulung des Wissens zum richtigen Umgang mit dem Pferd. Der Mensch muss lernen, die Welt mit den Augen des Pferdes zu sehen und sich in die Bedürfnisse und die Reaktionen des Pferdes als Fluchttier, Herdentier und Steppentier hineinversetzen können. Echte Pferdemenschen akzeptieren das Pferd als Individuum ohne es zu vermenschlichen. Ein einfühlsamer, respektvoller aber dennoch bestimmter Umgang ist wichtig. So entsteht eine Partnerschaft, die von Sicherheit und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist.

Fazit

Ein Reiter sollte im Laufe seiner Ausbildung einen ausbalancierten und losgelassenen Sitz entwickeln, aus dem heraus er mit der Bewegung des Pferdes elastisch mitschwingen kann. Die reiterliche Einwirkung wird über das Erlernen, Verfeinern und Abstimmen der Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen erreicht. Ein gutes Gefühl für den eigenen Körper und eine gute Grundfitness ist dabei sehr wichtig. Mit dem Verständnis der Reitlehre und der Natur des Pferdes wird sich über Jahre aus dieser Mischung zunehmend gefühlvolles Reiten entwickeln.

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Stand: 14.11.2019