Deutsche Reiterliche Vereinigung

Zahlen, Daten und Fakten rund um die Bundeschampionate

Wissenswertes zu den Bundeschampionaten 2018

  • Genannte Pferde/Ponys: 878
  • Teilnehmer (Reiter/Fahrer): 535
  • Anzahl Mitarbeiter: 450 davon 2/3 Ehrenamtler
  • Anzahl Prüfungsplätze: 5 (Springplatz Burandtwiese, Geländeplatz, Reitpferdeplatz, Dressurplatz, Ebbe-Flut-Platz für Dressurponys, Vielseitigkeitspferde und -ponys
  • Anzahl Prüfungen: 55
  • Aussteller: 220
  • Größe Veranstaltungsareal: 36,5 Hektar
  • Ställe: 21 Stallzelte, 926 Boxen, 5.400 Ballen Stroh, 2.700 Ballen Heu Hackspäne: 600 Kubikmeter für Besucherwege
  • Parkplätze: 6 Hektar (reicht für max. 15.000 Besucher pro Tag)
  • Tribünen/Sitzplätze: 6.050 Plätze
  • Strom: 7.860 Meter Kabel (davon 1.680 Meter Erdkabel, 6.180 Meter flexible Leitungen), 12 Schaltkästen, 5 Aggregate, Gesamtleistung 180.000 Watt (entspricht Versorgung von 50 4-Personenhaushalten für ein Jahr)
  • Wasser: 5.031 Meter Leitungen (davon 3.840 Meter PE-Rohre und 1.191 Meter Schlauch) und 108 Zapfventile

Bilder der Bundeschampionate 2018

Historie der Bundeschampionate

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), ihre Mitgliedsorganisation Deutsches Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) und die Stadt Warendorf kamen zu den Bundeschampionaten buchstäblich wie das Kind zur Jungfrau. Bis 1993 waren die erstmals 1976 in Münster ausgetragenen und in der Folgezeit immer weiter ausgebauten Bundeschampionate ein Wanderzirkus mit jährlich wechselnden Austragungsorten. Doch immer schwieriger wurde es, für dieses Schaufenster der deutschen Pferdezucht und des deutschen Ausbildungssystems junger Pferde einen Veranstalter mit genügend Platzmöglichkeiten und Finanzkraft zu finden. Deshalb wurde 1993 von den Verantwortlichen aus der Not heraus beschlossen, die Bundeschampionate im folgenden Jahr in Warendorf durchzuführen. Die FN verfüge schließlich mit dem Bundesleistungszentrum (BLZ) Reiten und dem DOKR über eine geeignete Anlage mit genügend Fläche. In der gesamten Zuchtszene war man im Vorfeld der Veranstaltung sehr gespannt, ob die FN eine solche Großveranstaltung stemmen könne. Doch schon die ersten Bundeschampionate 1994 in Warendorf, die noch mit mancher Improvisation verbunden waren, zeigten: Es klappt.

Hauptverantwortlich dafür dürften zwei Aspekte gewesen sein. Mit der Wahl des ersten Turnierleiters, dem damaligen DOKR-Geschäftsführer Reinhard Wendt, tat die FN einen wahren Glücksgriff. Der ehemalige Bundeswehroffizier mit Generalstabsausbildung organisierte die Veranstaltung im wahrsten Sinne generalstabsmäßig. Das von ihm eingeführte System der mit hoher Selbstständigkeit arbeitenden Bereichsleiter sorgte dafür, dass rund 400 ehren- und hauptamtliche Helfer schon bei ihrer ersten Bewährungsprobe mit großer Effizienz zusammenarbeiten konnten. Der zweite Grund war, dass sich die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer sowie die Mitarbeiter von FN und DOKR von Beginn an mit den Bundeschampionaten identifizierten und damit auch manches Unmögliche möglich machten. Gerade dieser Aspekt, der bis heute anhält, dürfte eines der Erfolgsgeheimnisse der Bundeschampionate in Warendorf sein.

Schon bei der ersten Veranstaltung konnte Wendt in der von der örtlichen Tageszeitung „Die Glocke“ produzierten Turnierzeitung verkünden, dass Warendorf als Austragungsort der Bundeschampionate eigentliche keine Notlösung mehr sei, sondern durchaus eine Dauereinrichtung werden könnte. Wendt behielt Recht. Schon nach wenigen Jahren Bundeschampionate in Warendorf, gab es niemanden mehr, der sich die Veranstaltung an einem anderen Ort wünschte. Der Umstand, dass Warendorf schnell zum dauerhaften Austragungsort der Bundeschampionate mit festem Termin (erstes Wochenende im September) wurde, sorgte auch dafür, dass hier im Laufe der Jahre zahlreiche infrastrukturelle Maßnahmen getätigt werden konnten, die die Veranstaltung für Zuschauer wie Teilnehmer immer attraktiver machte.

Die ersten Jahre in Warendorf

Schon die zweite Auflage der Bundeschampionate in Warendorf 1995 erlebte zwei bis heute greifenden Veränderungen. Die Reitpferdeprüfungen der Drei- und Vierjährigen wurden nach Geschlechtern aufgeteilt, was der durchaus unterschiedlichen Altersentwicklung von Stuten, Hengsten und Wallachen Rechnung trug. Zudem wurde nach den zweiten Bundeschampionaten in Warendorf vom FN-Bereich Zucht beschlossen, die Veranstaltung bis auf weiteres in Warendorf zu belassen. Schon 1996 schafften die Bundeschampionate auch medial den Durchbruch. Erstmals berichtete auch die Tagesschau der ARD über die Veranstaltung. Allerdings nicht aufgrund der Qualität der dort agierenden Pferde und Reiter, sondern weil ein Gastronomieanbieter mit einer verdorbenen Thunfischsauce gut zwei Dutzend Besucher mit einer massiven Lebensmittelvergiftung ins örtliche Krankenhaus beförderte.

Die 1997 erstmals ausgetragene Kombination von sechs- und siebenjährigen Geländepferden in einer gemeinsamen Prüfung setzte sich nicht durch. Bereits ein Jahr später blieben die Sechsjährigen unter sich. Die ersten vier Jahre der Bundeschampionate in Warendorf waren mit einem Namen verknüpft. Bei den Reitponys beeindruckte der Derano Gold-Nachkomme Dornik B mit einer bis heute in Warendorf unübertroffenen Leistung. Er gewann 1994 und 1995 bei den drei- und vierjährigen Reitponys sowie 1996 und 1997 bei den fünf- und sechsjährigen Dressurponys. Ganz bemerkenswert dabei: Bei allen vier Siegen saßen unterschiedliche Reiter im Sattel.

Die Bundeschampionate 1998 wurden zu einer echten Bewährungsprobe für Menschen, Pferde und Material. Nach tagelangem Dauerregen drohte die Veranstaltung buchstäblich im Schlamm zu versinken. Selbst Allrandfahrzeuge blieben stecken, auch ohne Pferdeanhänger. Die Rettung brachten hunderte Tonnen von Holzhackschnitzeln, mit denen über Nacht die Wege abgestreut wurden. Das Jahr des Regenchampionats wurde zugleich das Jahr des Hannoveraner-Hengstes Stakkato. Erst über das kleine Finale qualifizierte sich der Sohn des Spartan mit seiner Reiterin Eva Bitter für die letzte Runde, die er dann souverän mit der Traumnote 9,9 für sich entschied. Ein Jahr später verpasste Stakkato bei den Sechsjährigen den Titel um ganze drei Zehntelsekunden. 1998 siegte auch die Hannoveraner Warkant-Tochter Wahajama mit Holga Finken bei den vierjährigen Reitpferden. Als das Paar ein Jahr später nochmals die Klasse der fünfjährigen Dressurpferde gewann, war das Interesse so groß, dass Zuschauer auch unter den Tribünen lagen, um den Finalauftritt der beiden miterleben zu können.

Die Bundeschampionate im neuen Millennium

Im Jahre 2000 verzaubert die dreijährige Sandro Hit-Tochter Poetin mit Hans-Heinrich Meyer zu Strohen im Sattel bei ihrem Sieg Richter und Zuschauer gleichermaßen. Für viele Fachleute war das eines der größten Erlebnisse bei den Bundeschampionaten. Im gleichen Jahr übernimmt Frank Reitemeyer die Turnierleitung für Reinhard Wendt, der bereits in Sydney zur Vorbereitung der Olympischen Spiele weilt. Reitemeyer muss gleich am ersten Tag der Championate mit einem Riesenproblem fertig werden. Schon vor Prüfungsbeginn um kurz nach 6 Uhr fällt fast auf der kompletten Anlage der Strom aus. Die beiden gewaltigen Generatoren am Ende des Reitpferde-Vorbereitungsplatzes, die einen Großteil der Außenanlage mit Strom versorgen, laufen nicht mehr synchron. Rund 130 Aussteller sowie der gesamte Reitpferdebereich und der Springplatz sind davon betroffen. Fieberhaft wird an der Behebung des Schadens gearbeitet. Um 14.25 Uhr laufen die Generatoren endlich synchron und alle haben wieder Strom. 2001 gibt Reitemeyer, der aus der freien Wirtschaft ein lukratives Angebot erhalten hat, den Staffelstab der Turnierleitung an den damals erst 28-jährigen Soenke Lauterbach weiter.

Erstmals gehen 2002 in Warendorf auch die Geländeponys in einem eigenen Championat an den Start. 2003 wiederholt Poetin ihren Erfolg aus dem Jahr 2000. Mit Kathrin Meyer zu Strohen wird sie Championesse bei den sechsjährigen Dressurpferden. Der sechsjährige Birkhof´s Grafenstolz wird der Held der Bundeschampionate 2004, die erstmals vom neuen Turnierleiter Stephan Hellwig dirigiert werden. Der Trakehner Birkhof´s Grafenstolz hatte sich zuvor bei den Sechsjährigen für die Geländepferde sowie für die Dressurpferde als auch die Springpferde qualifiziert. Überlegen sichert er sich in Warendorf den Titel und gewinnt wenige Wochen später auch die Weltmeisterschaft der sechsjährigen Vielseitigkeitspferde. Sein Reiter ist der breiteren Öffentlichkeit damals noch nicht so bekannt. Daran soll sich in den nächsten Jahren einiges ändern. Denn Michael Jung wird in der Folgezeit zum erfolgreichsten Vielseitigkeitsreiter der Welt.

2005: Nur sechs Wochen nach dem erstmals in Warendorf ausgetragenen und überaus gelungenen Bundespferdesportfestival trifft sich in Warendorf die vierbeinige Nachwuchselite zu den Bundeschampionaten. Die FN feiert im gleichen Jahr ihren 100. Geburtstag.

Einen Platz im Geschichtsbuch der Bundeschampionate sichert sich 2006 auch der Vivaldi-Sohn Voyager, der mit Helena Camp im Sattel sowohl das Championat der sechsjährigen Dressurponys als auch den Titel bei den Vielseitigkeitsponys gewinnt. 2007 übernimmt Carsten Rotermund die Aufgabe des Turnierleiters.

Star der Springpferde-Championate 2007 und 2008 ist der Westfale Monte Bellini. Gewann der Montender-Sohn 2007 mit Marco Kutscher die Klasse der Fünfjährigen, wird er ein Jahr später mit Philipp Weishaupt bei den Sechsjährigen ebenfalls siegreich. Das Jahr 2008 bringt für den Springplatz auf der Burandtwiese eine gewaltige Verbesserung. Der zwar schöne, aber wetteranfällige Rasenplatz wird in einen reinen Sandplatz verwandelt. Championats-Geschichte schreibt in den Jahren 2008 bis 2010 der Hannoveraner Lissaro van de Helle. Siegte er 2008 und 2009 mit Claudia Rüscher bei den drei- und vierjährigen Hengsten, so wiederholt der Sohn des Lissabon 2010 diese Erfolge mit seiner Reiterin bei den fünfjährigen Dressurpferden.

2011 gewinnt der oldenburgische Fürst Heinrich-Sohn Fürstenball OLD das Championat der fünfjährigen Dressurpferde. Sein Sohn Fürsten-Look siegt 2015 bei den vierjährigen Hengsten und seine Tochter Festina PS 2016 bei den dreijährigen Stuten und Wallachen. Der westfälische Estobar NRW-Sohn Escolar dominiert 2012 und 2013 die Klasse der Reitpferde-Hengste. Mittlerweile schreibt er selbst schon Zuchtgeschichte. Seine Töchter Eternity und Eyleen gewannen 2017 Gold und Bronze bei den dreijährigen Reitpferden. In diesem Jahr hat allein das Westfälische Pferdestammbuch neun Escolar-Kinder für Warendorf nominiert. 2012 tritt auch noch einmal eine der Legenden der Bundeschampionate auf. Auf dem Springplatz, dem Ort an dem seine Karriere 1998 begann, verabschiedet seine Reiterin Eva Bitter den grandiosen Stakkato feierlich aus dem Sport.

Die Bundeschampionate von 2013 bis heute

Der Samstag bei den Bundeschampionaten 2013 sieht am Abend eine herrliche Gala mit zahlreichen tollen Schaubildern anlässlich des 100. Geburtstags des DOKR. Mit dabei sind auch etliche Pferde und Ponys, die in den Jahren zuvor ihre Karriere auf den Bundeschampionaten starteten.

Nur eine Woche vor Beginn der Bundeschampionate 2014 gewinnt die deutsche Vielseitigkeitsequipe Mannschaftsgold bei den Weltreiterspielen im französischen Caen. Mannschaftsreiter Michael Jung holt mit der Stute fischerRocana FST auch noch Einzelsilber. 2011 war sie mit ihrem Reiter Siegerin im Bundeschampionat der sechsjährigen Geländepferde. Auch die in Caen erfolgreichen Buschpferde SAP Escada FRH (Reiterin Ingrid Klimke), Horseware´s Barny (Reiter Peter Thomsen) und So is et (Reiter Andreas Ostholt) begannen ihre Karriere als junge Pferde bei den Bundeschampionaten. Gleiches gilt für Michael Jungs Erfolgspferd La Biosthetique Sam FBW, der 2005 und 2006 Finalist in Warendorf war. In dem in Caen ebenfalls siegreichen deutschen Dressurteam starteten mit Damon Hill NRW (Helen Langehanenberg) und Desperados FRH (Kristina Sprehe) zwei weitere ehemalige Teilnehmer der Bundeschampionate.

2015: Eine gerade für die Reitpferdeprüfungen nicht untypische Szene spielt sich bei der Finalqualifikation der dreijährigen Hengste am Freitagabend ab. Eine Richterentscheidung quittieren zahlreiche Zuschauer mit Pfiffen. Ein Teil des Publikums verlässt aus Protest sogar die Tribüne. Ganz gleich ob nun die Richter oder das Publikum richtig lagen, zeigt doch diese Reaktion, wie emotional das Geschehen von den Besuchern wahrgenommen wird und wie sie mit ihren Favoriten mitfiebern. Und das ist auch gut so.

Bei den sechsjährigen Dressurpferden platziert sich 2016 in der ersten Qualifikation mit dem Nordrhein-Westfälischen Landbeschäler Flavis ein Pferd, das das Gelände der Bundeschampionate bereits gut kennt. 2014 wurde der Flanagan-Sohn dort Champion der vier- und fünfjährigen Fahrpferde. Bei den Geländeponys holt sich 2017 Springdelight aus der Zucht von Iris Kölln unter Laura Lilienthal den Titel. Springdelights Vater ist Nemax. Nemax Großvater mütterlicherseits wiederum ist der 1989 bei Wilfreid Lührs geborene Nico the Champ. Und der war 1994 mit Dagmar Seidlitz im Sattel einer der ersten Bundeschampions in Warendorf, gewann er doch die Klasse der fünf- und sechsjährigen Springponys. So schließt sich der Kreis über ein Vierteljahrhundert Zucht- und Sportgeschichte.

Erfolgreichste Reiterin der Bundeschampionate in Warendorf ist Jana Freund. Von 1997 an gewann die Rheinländerin in den Championaten der Reitpferde und -ponys sowie der Dressurpferde und -ponys nicht weniger als 23 Titel. Im Laufe der 24 bisherigen Bundeschampionate in Warendorf dürften dort rund 20.000 Pferde und Ponys aus deutscher Zucht an den Start gegangen sein. Manche wurden später Weltpferde, andere nicht. Mancher wurde unangefochten Bundeschampion, bei anderen Siegern lösten die Richterentscheidungen ob berechtigt oder nicht, lebhafte Diskussionen aus. Doch für jeden Züchter bedeutet die Aussage "Unserer hat sich für die Bundeschampionate in Warendorf qualifiziert" wohl höchste Glücksmomente. Daran hat sich nach 25 Jahren Bundeschampionate in Warendorf nichts geändert. Thomas Hartwig

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Stand: 19.07.2019